Lücken bei der Planung von EAS-Systemen

von Ingo Schöffmann und Rainer Weingand

Im Abstand von drei Monaten traten die Verfasser 1989 in die „Warensicherungswelt“ ein und haben bis dato mehrere Tausend Systeme beraten, geplant, in Betrieb genommen und betreut.

Der Artikel richtet sich an Entscheider und Planer von Warensicherungssystemen für den Handel:

 

Lücken bei der Planung von EAS-Systemen

Warensicherungsanlagen, zunächst gleich welcher Technologie, sind Sende- und Empfangsanlagen und unterliegen neben gesetzlichen Bestimmungen sehr dem jeweiligen elektro-/physikalischen Umfeld. Die Folgen vereinfachter Planung können sein: Fehlalarme, vermindertes Detektionsverhalten oder gar beides. Dies führt zu häufigen Technikereinsätzen, wobei mit jeder Störmeldung die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das System gewinnbringend nutzen sollen, sinkt. Der Nutzen ist bei einer fehlerarmen Funktion nämlich sehr hoch. Trotz der Popularität von Warensicherungsanlagen seit nunmehr zwanzig Jahren, sind die Kenntnisse im Planungsbereich vielerorts nicht sehr ausgeprägt.

Ein gewinnbringender Einsatz setzt voraus, dass nicht nur die Technologie gut gewählt und vor Ort beraten wurde, wir erlauben uns die Anmerkung, dass ein Warensicherungssystem nicht per Telefon oder im Internet geplant werden kann, sondern, dass auch entsprechend der Vorschläge oder gar Vorgaben der Experten die erforderlichen Vorleistungen zuverlässig und termingenau erbracht sind. Das Umfeld muß projektiert sein, der Laie übersieht oftmals versteckte Risiken, die ein Fachmann aus Erfahrung im Vorfeld bereits erkennen kann, wie zum Beispiel die handelsüblichen Sauberlauf-Matten im Eingangs- / Ausgangsbereichen. Diese metallisch verketteten Mattenkonstrukte schwingen je nach Alterung und Zustand und bringen gerade radiofrequente Warensicherungsanlagen in Hochstimmung. In der Neuplanung kann hier entsprechend den Alternativen der Sauberlauf-Matten Industrie rechtzeitig gewählt werden. Bei der Nachinstallation haben die Anwender einen Vorteil, die qualifizierte Techniker mit der Installation beauftragen, die sich in diesen Grenzsituationen dann zu helfen wissen und Probleme vor Ort lösen.

Wessen Ladengeschäft bspw. in ehemaligen Räumen einer Bank niedergelassen ist und wer plant sogn. Decken-/ Bodenantennen einzusetzen, wird gut beraten sein eine Vormessung zu beauftragen, die vor Einbau und Inbetriebnahme etwaige Risiken durch versteckte Dämpfungen zu erkennen. Automatische Türeingangsanlagen können in der Vorplanung bereits so gestaltet werden, dass eine Integration eines sogn. Loop-Systems mühelos möglich wird. Loop-Systeme sind sehr diskret und verdeckt eingebaute Sensoren, so dass hier keine vertikalen Antennenelemente auf dem Boden installiert sind. Gerade im Luxushandel sind Loop-Varianten sehr beliebt. Bei frühzeitiger, umfassender Planung mit den Verantwortlichen der jeweiligen Lichttechnik kann vermieden werden, dass Leuchtmittel oder deren Vorschaltgeräte unschöne Gegenreaktionen auslösen.

Natürlich kann ein Ladengeschäft nicht um die Warensicherungsanlagen herum geplant werden. Aber Sorgfalt und Erfahrung erleichtern die Integration. Wurde leichtfüßig geplant und beraten und ist das Kind dann erst einmal in den Brunnen gefallen, sind die Debatten oftmals müßig. Denn jeder am Bau Beteiligte stellt sich zunächst auf den Standpunkt, dass sein Gewerk in sich mangelfrei ist und seine Funktion erfüllt. Wäre es umfeldverträglich, würde es andere Gewerke nicht stören. Beispiel: der planende und ausführende Lichttechnik-Ingenieur beharrte darauf, dass seine eingesetzten Vorschaltgeräte der Beleuchtung niemals Ursache für massive Störungen an der Warensicherungsanlage sein können. Nach unzähligen Telefonaten zwischen den Beteiligten, Faxen und Briefen organisierte der Architekt einen gemeinsamen Ortstermin und so konnte mittels Messbildschirm zweifelsfrei nachgewiesen werden, welche Installation die Warensicherungsanlage so massiv stört. Die Vorschaltgeräte wurden dann ausgetauscht und ein Gesamtbetrieb ermöglicht.

Hiermit einher geht natürlich der ortsübliche Kostendruck. So sind viele Gewerke mit pauschalen Installationsbeträgen geliefert und hier bleibt wenig oder oft kein Spielraum für konstruktive Problemlösung im Interesse eines gemeinsamen zufriedenen Auftraggebers. Dies gilt aber nicht nur bei Störquellen durch Haus- und Gebäudetechnik im Umfeld, sondern oftmals auch durch nachbarschaftliche Konflikte der Warensicherungssysteme untereinander. Insbesondere in Shopping-Malls tauchen diese Anforderungen immer wieder auf. Und da im Handel oftmals nur der Preis zählt, werden billige, meist technologisch überalterte Anlagen installiert, die sich mit den Nachbarsystemen nicht vertragen. Einer oder beide Nachbarn klagen über Systemstörungen, streiten wer der erste Anwender war und ältere Rechte besitzen könnte, anstatt dass beide ihren Warensicherungslieferanten beauftragen in einem gemeinsamen Termin gemeinsame Lösungen zu finden. Was garantiert viel preiswerter ausfällt als eine Rechtsberatung oder gar Klage gegen den Nachbarn.
Sind Neubauten gemäß den Vorgaben einer Projektierung gut vorbereitet, ist die Installation in aller Regel problemlos. Mängel in der Ausführung der Vorbereitung sind oftmals nicht beachtete Maßangaben bei den Antennenpositionen, was oftmals zu Funktionsnachteilen führt. Vielerorts werden separate Stromzuleitungen nachträglich mit weiteren Abnehmern belastet.

Für einen großen Filialisten machen wir den technischen Kundendienst. Die Anlagen wurden erst vor wenigen Jahren installiert. Sehr preiswert, denn darum erhielt der Anbieter den Zuschlag. Mit dem Ergebnis, dass vielerorts die Systeme ausfallen, weil sie keinen Strom mehr haben. Ursache hierfür ist meist, dass bei Nachinstallationen in Ermangelung eines Leerrohs im Boden die Verbindungsleitung zwischen den Antennen lose unter den Sauberlauf gelegt wurden und sich im Laufe der Monate durch Trittbelastung, kleine Steinchen usw. verzehren. Kurzschlüsse und Systemausfälle sind die Folge. Professionell installiert gilt es dort einen Schlitz zu fräsen, die Leitungen einzulegen und die Fuge zu schließen. Eine Installation in dieser Güte ist jedoch nicht für eine Pauschale von zweihundert bis dreihundert Euro möglich. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Instandsetzung wesentlich teurer ausfällt als der Mehrbetrag, den eine fachgerechte Installation (je nach Systemtyp zwischen 480 und 700 Euro) gekostet hätte, dann lernt man daraus, dass billig eben nicht gut ist.

Da wie eingangs beschrieben eine Warensicherungsanlage als Sender- und Empfangsanlage arbeitet sind sporadisch auftretende Fehlfunktionen wie sinkende Erfassungsgüte oder gelegentliche Fehlauslösungen grundsätzlich kein Anlaß zu wildem Aktionismus. Es gibt sehr erfahrene Anwender in Unternehmen die ausdrücklich die Fehlalarmquote vor die Erfassungsgüte stellen. Das bedeutet, dass diese Unternehmen erkannt haben, dass gerade sichtbare Sicherungssysteme zunächst einmal zu einhundert Prozent präventiv wirken, gleich ob sie nun in Betrieb sind oder nicht. Und es wurde erkannt, dass die Anlagen nicht mit dem Ziel eingesetzt werden möglichst viele Detektionsvorgänge zu realisieren oder gar viele Ladendiebe zu stellen, sondern möglichst zu einhundert Prozent fehlalarmfrei zu arbeiten, um die Mehrzahl der durchweg ehrlichen Besucher und Kunden nicht zu stören oder zu verunsichern.


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